Der Hundertjährige Kalender

Mindestens seit dem der Mensch Ackerbau betreibt, interessiert ihn auch wie das Wetter wird. Möglichst genaue Wettervorhersagen helfen schon immer auch der Landwirtschaft. Und auch wenn das Thema ein Altes und Immerwährendes ist, genauso wenig wie vor hundert Jahren oder im 17. Jahrhundert ist es uns heute möglich eine genaue Wettervorhersage zu treffen. Klar, heute können wir mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, wie das Wetter heute Abend, morgen und nächste Woche wird. Aber spätestens, wenn man im Frühjahr eine genaue Aussage treffen sollte, ob der Sommer trocken und heiß oder kalt und feucht wird, wäre man auf eine Glaskugel angewiesen.

Das Problem Wettervorhersage ist also ein Altes.

Hundertjähriger Kalender Deckblatt
Hundertjähriger Kalender nach Hellwig – Deckblatt

Hundertjähriger Kalender der Wettervorhersagen

Der Hundertjährige Kalender ist eine Zusammenstellung von Wettervorhersagen und entstand im 17. Jahrhundert. Verfasst wurde der 100jährige Kalender von Mauritius Knauer (geboren 1613 oder 1614, gestorben 1664), dem Abt des Klosters Langheim.

Der Abt verfasste den Hundertjährigen Kalender als Calendarium oeconomicum practicum perpetuum (Wirtschaftlich, praktischer und ewiger Kalender). Der Kalender sollte ihm und seinen Mönchen ermöglich, das Wetter in Franken vorherzusagen. Ziel war es so die klösterliche Landwirtschaft zu optimieren.

Bei der Erstellung des Hundertjährigen Kalenders stützte sich Abt Knauer auf klassische astrologische Vorstellungen. Einige Astrologen gingen von der Idee aus, dass die Himmelskörper (Planeten, wobei Mond und Sonne ja keine Planeten sind) wie Mond, Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus und Merkur in einem festen Turnus aufeinander folgend. Dabei würden diese Planeten dann ein Jahr lang von Frühlingsbeginn bis Winterende entscheidend das Wetter beeinflussen. Folgt man dieser Theorie, dann würde es reichen, sieben Jahre lang das Wetter zu beobachten, um anschließend präzise Wetterbeobachtungen über die nachfolgenden Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte zu machen, da der Turnus von sieben Jahren sich ja ewig wiederholt. Sieben Jahre Wetter beobachten würden lange, um auch für die Zukunft das Wetter vorhersagen zu können. Allerdings schränkte schon Knauser selbst ein, dass das Wetter auch von zusätzlichen, astrologisch bedeutsamen Faktoren wie Kometen, Sonnen- und Mondfinsternisse beeinflusst werden könnten.

Knauers 100jähriger Kalender wird vollkommen von astrologischen Vorstellungen beherrscht.

Knauers Titel für den 100jährigen Kalender

Planetenjahre im Hundertjährigen Kalender

Saturn 2000 2007 2014 2021 2028 2035 2042
Jupiter 2001 2008 2015 2022 2029 2036 2043
Mars 2002 2009 2016 2023 2030 2037 2044
Sonne 2003 2010 2017 2024 2031 2038 2045
Venus 2004 2011 2018 2025 2032 2039 2046
Merkur 2005 2012 2019 2026 2033 2040 2047
Mond 2006 2013 2020 2027 2034 2041 2048

Calendarium oeconomicum practicum perpetuum – beständiger Hauskalender aus welchem jährlich die Witterung zuerkennen, und nach dergestalt der Wein und Feldbau mit Frucht und nutzen anzuordnen, die Mißjahr zu erkennen, und der bevorstehenden Not weißlich vorzukommen. Auf das Frankenland und sonderlich auf das Stift Bamberg gerichtet.

Wetterbeobachtungen als Grundlage für den 100jährigen Kalender

Um den 100jährigen Kalender zu entwickeln musste Abt Mauritius Knauser sieben Jahre lang das Wetter beobachten. Man nimmt an, dass die Grundlage für sein Calendarium auf detaillierte Wetterbeobachtungen in den Jahren 1652 bis 1658 resultieren. Der Zeitraum seiner Witterungsbeobachtungen lag genau zwischen 21. März 1652 und dem 20. März 1659. Da Abt Knauer 1664 starb, hatte er zumindest einen Zyklus Zeit, sich selbst davon zu überzeugen, wie zutreffend seine Wetterbeobachtungen als Wettervorhersage für die nachfolgenden sieben Jahre waren. Ob er seine Annahme bestätigt sah, ist nicht überliefert.

Erste Veröffentlichung des Hundertjährigen Kalenders

Der Hundertjährige Kalender wurde erst im Jahre 1700 der Öffentlichkeit allgemein zugänglich gemacht. Zuvor gab es Abschriften die rund um das Kloster in Gebrauch waren. Veröffentlicht wurde er von dem in Tennstedt, später in Erfurt tätigen Arzt Christoph von Hellwig. Christoph von Hellwig ließ die lateinischen Passagen aus dem ursprünglichem Calendarium weg und behauptete, dass der Kalender einhundert Jahre alt sei. Es dauerte bis 1704 bis der Hundertjährige Kalender unter dem Namen des ursprünglichen Verfassers in Kulmbach herausgegeben wurde.

Hundertjähriger Kalender Namensgebung

Zuordnung Jahre zu Planeten im 100jährigen Kalender
Zuordnung Jahre zu Planeten im 100jährigen Kalender
Seit dem Jahr 1720 erscheint der Hundertjährige Kalender immer häufiger unter dem auch heute gebräuchlichen Namen. Benannt wurde das Calendarium nach der Übersichtstabelle über die Verteilung der Jahre unter die einzelnen Planeten.

Der Kalender heute

Noch heute wird der Hundertjährige Kalender in mehreren Verlagen aufgelegt. Und natürlich sind die Wetterprognosen des 100jährigen Kalenders auch im Internet verbreitet. Möglich ist übrigens, dass die Vorhersagen des Hundertjährigen Kalenders manchmal zutreffen können. Aus meteorologischer Sicht sind solche Übereinstimmungen aber nur rein zufällig und lassens ich auch wissenschaftlich in keiner Wiese begründen.

Wettervorhersagen des Hundertjährigen Kalenders

Aus meteorologischer Sicht sind die Vorhersagen des Hundertjährigen Kalenders nicht haltbar. Kommt es doch einmal zu Übereinstimmungen, dann kann das getrost dem Zufall zugeschrieben werden.

Der Hundertjährige Kalender steht in einer Tradition von Bauernkalendern (Volkskalendern) und agrarischen Lunarkalendern, die sich auf das ausgehende Mittelalter zurückführen lassen. Wie auch das Calendarium fußen die auch heute noch gerne zitierten Bauernregeln auf Beobachtungen.

Eigenen Hundertjährigen Kalender erstellen

Nimmt man zu Grundlage, wie Abt Knauer im 17. Jahrhundert seinen Kalender erstellt hat, kann man dies natürlich selbst auch tun. Man beobachtet einfach sieben Jahre das Wetter (beginnend mit einem 21. März) und ordne die Jahre dann den Himmelskörpern zu. Dann hätte man seinen eigen 100jährigen Kalender. Ob man diesen dann noch Planeten zuordnet, oder diese Zuordnung als Aberglaube abtut, ist wohl dann auch nur noch Geschmackssache.

Seit jeher sind Menschen vom Gedanken fasziniert, zukünftige Ereignisse vorhersagen zu können. Und das betrifft natürlich auch die Vorhersage des Wetters.