Bauernregeln

Bauernregeln bzw. Wetterregeln sind meist in Reimform gefasste alte Volkssprüche über das Wetter und dessen Folgen für die Landwirtschaft. Die meisten Bauernregeln sind an gewisse Daten gekoppelt wie

Am Neujahrstage Sonnenschein lässt das Jahr uns fruchtbar sein

oder

Ist Dreikönig hell und klar, gibt’s guten Wein im neuen Jahr.

Die Bauernregeln entstanden im Laufe der Zeit aus Beobachtungen nacheinander folgender Umstände. Sie wurden über Generationen weitergegeben.

Während beim Hundertjährigen Kalender die Beobachtungen an das Planetenjahr gekoppelt wurden, war der Zeitraum bei den Bauernregeln kürzer gefasst. An einem bestimmten Tag im Jahr, zum Beispiel dem Tag der Heiligen Drei Könige oder den Eisheiligen, wurde das Wetter beobachtet und daraus dann Rückschlüsse für das Wetter in einer bestimmten Periode danach gezogen oder schon gleich dafür, wie ein bestimmter Ertrag in der Landwirtschaft ausfallen würde. Häufig waren die Wetterbeobachtungen noch nicht einmal an einen bestimmten Tag gekoppelt, sondern an einen Monat (Märzen-Schnee tut den Saaten weh).

Bekannte Bauernregeln

Die wohl bekannteste Bauernregel ist wohl

April macht das, was er will

sowie

Mairegen bringt Segen.

Und im Juni steht der Siebenschläfertag am 27. Juni unter besonderer Beobachtung, denn

Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.

Geschichte der Wetterregeln

Bereits im Altertum kannte man Wetterregeln. Sie kommen auch in den Fasti des Publius Ovidus Naso (43 v. Chri-17 n.Chr), einem Gedicht in der Tradition des antiken Lehrgedichts, vor. Ovid beschäftigt sich in den Fasti mit den Festtagen des römischen Kalenders.

Sogar im Neuen Testament sind Wetterregeln vermerkt. Natürlich beziehen sich diese auf Palästina. In Lukas 12,54-55 heißt es: Außerdem sagte Jesus zu den Leuten: Sobald ihr im Westen Wolken aufsteigen seht, sagt ihr: Es gibt Regen. Und es kommt so. Und wenn der Südwind weht, dann sagt ihr: Es wird heiß. Und es trifft ein.

Bauernregeln im Laufe der Zeit

Den Bauernregeln ging es vor den Augen der Wissenschaftler wie den Wetterregeln aus dem Hundertjährigen Kalender: Die vorherrschende Lehrmeinung war lange, dass Bauernregeln eben nur selten richtig liegen. Ende des 20. Jahrhunderts wurde begonnen, diese Wetterregeln statistisch zu überprüfen. Dabei wurde auch auf das Entstehungsgebiet der jeweiligen Bauernregel geachtet. Bei dieser Untersuchung stellte sich heraus, dass die Bauernregeln relativ häufig zutreffen. Auch Jörg Kachelmann beschäftigte sich mit dem Wahrheitsgehalt dieser Wetterregeln und er merkte 2004 an, dass die Entstehungszeit jeder Regel und eine eventuelle Verschiebung des Kalendariums seither in Betracht gezogen werden müsse. Schließlich habe die Einführung des Gregorianischen Kalenders viele alte Bauernregel »aus dem Tritt gebracht«. So gibt es Bauernregeln zum St. Veit und Sankta Lucia Tag im Juni und Dezember. Dies waren vor dem Gregorianischen Kalender der längste Tag bzw. die längste Nacht im Jahr. Und auch die Bauernregeln rund um die Eisheiligen oder Siebenschläfer passen seit der Kalenderreform 1582 nicht mehr.

Beachten sollte man bei den Bauernregeln auch, dass es Wetterregeln für die Landwirtschaft waren. Gutes Wetter für Landwirte ist eben etwas anders als gutes Wetter heute für Stadtmenschen.

Widersprechende Bauernregeln

Wir kennen heute sehr viele Bauernregeln. Einige widersprechen sich. Für bestimmte Lostage gibt es mehrere Wetterregeln, die unmöglich zeitgleich stimmen können. Allerdings stammen diese Wetterregeln dann wohl aus unterschiedlichen Regionen. Ohne zu wissen, aus welcher Gegend eine solche Regel kommt, ist sie meist wertlos. Sich widersprechende Wetterregeln gibt es zum Beispiel für den August.
Zum einen heißt es:
Augustregen wirkt wie Gift, wenn er die reifenden Trauben trifft. Und andererseits heißt es aber auch: Stellt im August sich Regen ein, so regnet’s Honig und guten Wein.

Wohl aus der Zeit bevor sich die Wissenschaft mit den Bauernregeln beschäftigte und feststellte, dass sie statistisch wohl doch häufiger stimmen als gedacht, stammte wohl diese neue Regel:

Kräht der Hahn früh auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder*s bleibt wie’s ist.

Bauernregel für die einzelnen Monate

Bauernregeln Januar
Bauernregeln Februar
Bauernregeln März
Bauernregeln April | Aprilwetter
Bauernregeln Mai
Bauernregeln Juni und Bauernregeln Siebenschläfer
Bauernregeln Juli
Bauernregeln Hundstage
Bauernregeln August
Bauernregeln September
Bauernregeln Oktober
Bauernregeln November
Bauernregeln Dezember

Zitat zum Thema Wetter

Sonnenschein ist köstlich, Regen erfrischt, Wind kräftigt, Schnee erheitert. Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur verschiedene Arten von gutem.

Zitat des britischen Kunstkritikers und Sozialökonomen John Ruskin (1819 – 1900).