Gregorianischer Kalender

Gregorianischer Kalender
60-Pf-Sondermarke der Deutschen Bundespost (1982) zu 400 Jahre gregorianischer Kalender, gestaltet von der deutschen Künstlerin Elisabeth von Janota-Bzowski.
Der Gregorianische Kalender löste den Julianischen Kalender ab. Dieser wurde unter Julius Caeser (nach dem römischen Feldherrn und Diktator ist auch der Sommermonat Juli benannt) eingeführt und basiert auf ein Jahr mit 365,25 Tagen. Damit näherte sich das Jahr im Julianischen Kalender rechnerisch der tatsächlichen Länge eines Sonnenjahres mit 365,2422 Erdumdrehungen nahe an, aber nicht nahe genug.

Gegenüber dem echten Sonnenjahr wies das Julianische Jahr eine Differenz um elf Minuten und 14 Sekunden auf. Das klingt wenig, summierte sich aber bis zum 14. Jahrhundert auf eine Abweichung von mehr als sieben Tagen, bis zum 16. Jahrhundert waren es bereits zehn Tage.

Falsche Datierung des Osterfestes

Irgendwann wäre dann Ostern wohl im Winter gefeiert worden und den Weihnachtsbaum hätten wir im Sommer zum Schatten spenden benötigt. Und da das christliche Osterfest ein sehr wichtiges Fest ist, war die zunehmende falsche Datierung dieses Osterfestes ein großes Problem für die Kirche. Den der astronomische Frühlingsanfang verschob sich alle 130 Jahre um einen Tag. Das vom Datum des Frühlingsanfangs und vom Datum des Frühlingsvollmondes abhängige Osterdatum wurde infolgedessen nicht mehr richtig bestimmt.

Da das Problem bekannt war, wurde der Kalender reformiert (erneuert). Unter Papst Gregor XIII. wurde dann die Reform des Kalendersystems im Jahre 1582 vollzogen. Daher spricht man auch von der gregorianischen Kalenderreform und vom gregorianischen Kalender.

Gregorianischer Kalender löst julianischen Kalender ab

Zehn Tage wurden gestrichen, um den Wechsel vom alten Julianischen Kalender auf den neuen Gregorianischen Kalender zu vollziehen. Auf den 4. Oktober 1582 folgte direkt der 15. Oktober 1582. Damit es nicht wieder zu einer Verschiebung kam, wurden neue Schaltregeln eingeführt und damit die Jahresdauer der tatsächlichen Länge eines Sonnenjahres angepasst.

Tag und Nacht-Gleiche angepasst

Das Konzil von Nicäa hatte im Jahr 325 festgeelgt, dass die Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche (Primar-Äquinoktium) auf den 21. März fallen soll. Über die Jahre war das natürlich nicht mehr der Fall und so sollte der Gregorianische Kalender dafür sorgen, eben wieder auf den 21. März fällt und zukünftige Verschiebungen unterbinden, in dem das gemessene Jahr dem astronomischen entsprechen sollte.

Neue Schaltregeln laut Gregorianischen Kalender

Im Julianischen Kalender wurde alle vier Jahre ein Schaltjahr abgehalten, das Jahr war demnach ein Tag länger als die Nicht-Schaltjahre. Daher auch die Jahreslänge von 365,25 Tagen. Zwar bleibt es bei der Regel, das alle vier Jahre Schaltjahr ist (Jahreszahl muss durch vier teilbar sein), dies gilt aber nicht für die Jahrhunderte. Die Jahrhunderte sind nur Schaltjahre, wenn sie durch 400 zu teilen sind. Demnach sind 1600, 2000 und 2400 Schaltjahre, aber nicht 1900, 2100 und 2200. Damit sind 400 Jahre im gregorianischen Kalender drei Tage kürzer als im julianischen Kalender.

Der Gregorianische Kalender war demnach auch nicht grundsätzlich anders als der Julianische Kalender, er war aber flexibler.

Übernahme Gregorianischer Kalender

Einfach zehn Tage aus dem Kalender zu streichen sorgte natürlich für Irritationen. Zudem ist das 16. Jahrhundert auch das Jahrhundert der Reformen. Martin Luther in den deutschen Landen aber auch Heinrich VIII. in England hatten dafür gesorgt, dass nicht mehr überall in Europa der Papst das Sagen hatte. Und so führten 1582 vor allem die Katholischen Länder den Gregorianischen Kalender ein, während andere Länder zögerten. Die überzähligen zehn Tage, die seit dem Konzil von Nicäa bereits aufgelaufen waren, ließ Gregor aus dem Kalender entfernen, so dass auf Donnerstag, den 4. Oktober 1582 sogleich Freitag, der 15. Oktober folgte (5. Oktober -jul.-/ 15. Oktober 1582 -greg.-).

Zu den ersten Ländern bzw. Regionen, die gleich 1582 den gregorianischen Kalender übernahmen gehörten u.a. das Heilige Römische Reich (HRR), die katholischen Reichsstände (inkl. Erzherzogtum Österreich) und die meisten katholischen Orte der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Ebenso auch das Königreich Frankreich mit seinen Kolonien und auch das Königreich Spanien, Portugal und deren Kolonien. In den Niederlanden übernahmen die Südlichen Spanischen Niederlanden sowie die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen den neuen Kalender, die nordöstlichen Niederlande zogen erst 1700 nach. Das Königreich England und die englischen Kolonien in Amerika übernahmen den neuen Kalender erst 1752. Noch später waren die Türkei (Osmanische Reich) 1917, Sowjetunion (1922), Königreich Griechenland (1923) und die Volksrepublik China (1949).

Verwirrungen durch zwei Kalender

Starben Miguel de Cervantes und William Shakespeare am gleichen Tag?

Miguel de Cervantes
Todestag von Miguel de Cervantes und Shakespeare liegen nicht wirklich auf dem selben Tag.
Ein schönes Beispiel für die Verwirrungen, die die nicht zeitgleiche Annahme der Gregorianischen Kalenderreform verursachte, ist das Todesdatum zwei bedeutender Schriftsteller. So starb der spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes am 23. April 1616 in Madrid. Ebenfalls am 23. April 1616 starb auch der englische Nationaldichter William Shakespeare, weswegen der 23. April auch als Tag des Buches gefeiert wird. Allerdings starben die beiden Schriftsteller nicht am gleichen Tag, den im katholischen Spanien galt 1616 bereits seit Jahrzehnten der Gregorianische Kalender, während er im Königreich England eben erst 1752 eingeführt wurde. Daher wird das Todesdatum von William Shakespeare auch mit 23. April (julianisch) 1616 bzw. 3. Mai (gregorianisch) 1616 angegeben.

Aus der Oktoberrevolution wird eine Novemberrevolution

Ein weiteres Beispiel ist die Oktoberrevolution in Russland. 1917 galt in Russland noch der julianische Kalender und so fand die Oktoberrevolution dort am 25. Oktober statt. Laut gregorianischen Kalender, der in der Sowjetunion dann 1922 eingeführt wurde, war dies der 7. November.

Oktoberfest

Das das Oktoberfest in München bereits im September beginnt, daran ist die Gregorianische Kalenderreform allerdings unschuldig. Der frühe Anfang des Oktoberfest ist einzig dem besseren Wetter im September geschuldet. Schließlich feiert es sich, wenn es einigermaßen warm und trocken ist, eben besser als im herbstlichen Oktober.

Gregorianischer Kalender und Bauernregeln

Die gregorianische Kalenderreform hatte natürlich auch Auswirkungen auf viele Bauernregeln. Die Bauernregeln waren bereits vor dem Gregorianischen Kalender enstanden und meist wurden diese nicht an Monate wie Anfang Mai, Ende Mai oder Mitte Mai gekoppelt sondern mit Heiligen und ihren Gedenktagen verknüpft. Ein Beispiel sind die Wetterregeln zum Siebenschläfertag am 27. Juni. Diese besagen, dass das Wetter an Siebenschläfer sieben Wochen bleibt. Durch die Kalenderreform von 1682 bleibt aber nicht das Wetter vom eigentlichen Siebenschläfertag, sondern vom 7. Juli, dem echten Siebenschläfertag, wenn man die zehn Tage Verschiebung berücksichtigt. Auffällig ist es aber auch, wenn es um Bauernregeln zum St. Veit Tag am 15. Juni geht. Schließlich war der 15. Juni vor der Gregorianischen Kalenderreform der Tag der Sommersonnenwende, und erst ab 1682 dann der 21 Juni (gleiches gilt für die Verschiebung der Wintersonnenwende im Dezember). Die Bauernregel St. Veit, der hat den längsten Tag, die Luzia (13. Dezember) die längste Nacht vermag macht also seit 1582 nicht mehr wirklich Sinn. Ebenso wenig die Regel, nach der sich mit St. Veit die Zeit ändert. Zu Santa Lucia heißt es übrigens bei den Bauernregeln: An Sankt Lucia ist der Abend dem Morgen nah. Bis zur Gregorianischen Kalenderreform war der 13. Dezember der kürzeste Tag des Jahres, es galt bis dahin der Julianische Kalender.

Ebenso betroffen wie die Bauernregeln zum Siebenschläfer sind auch die Bauernregeln zu den Eisheiligen im Mai von der Zehn-Tage-Verschiebung.

Papst Gregor XIII

Papst Gregor XIII
Papst Gregor XIII – nach ihm wurde der Gregorianische Kalender benannt.
Papst Gregor XIII. wurde 1502 in Bologna geboren, er starb am 10. April 1585 in Rom. Zum Papst wurde Ugo Boncampagni, so sein bürgerlicher Name, 1572 gewählt. Papst Gregor XIII. förderte Wissenschaft und Bildung und ging eben durch die Reform des Kalenders in die Geschichte ein. In sein Pontifikat fällt die Bartholomäusnacht in Frankreich, die er ausdrücklich begrüßte. Um seinen wissenschaftlichen Beraterstab für eine Kalenderreform in die Lage zu versetzen, die Reform vorzubereiten und zu überprüfen, ließ er 1578 einen Turm für astronomische Beobachtungen bauen (Turm der Winde) und gründete damit die bis heute bestehende Vatikanische Sternwarte. Bekannt ist er heute vor allem wegen der auf ihn zurückgehenden Kalenderreform, die er nach heutiger Datierung am 24. Februar 1582 mit seiner Bulle Inter gravissimas erließ und die noch heute als Gregorianischer Kalender gültig ist.