Mauritius Knauer

Originalseite aus 100jährigen Kalender von Knauer
Originalseite aus 100jährigen Kalender von Knauer
Mauritius Knauer wurde 1613 oder 1614 in Weismain (Stadt im oberfränkischen Landkreis Lichtenfels im Norden des heutigen Freistaats Bayern) geboren. Mauritius Knauer starb am 9. November 1664 in Langheim (Klosterlangheim, Stadtteil von Lichtenfels, ebenfalls Oberfranken).

Mauritius Knauer wurde 1649 Abt des Zisterzienserklosters Langheim und blieb dies bis zu seinem Tod im Jahre 1664.

Knauer trat bereits 1630 im Alter von 16 oder 17 Jahren ins Kloster ein. Wenige Jahre später wurde er zum Schutz vor Kriegshandlungen (Dreißigjähriger Krieg in Europa, 1618 bis 1648) in das österreichische Zisterzienserkloster Heiligenkreuz geschickt. Die ersten Spuren seiner Anwesenheit im Heiligenkreuzerhof, dem Stadthof der Zisterzienser in Wien, gehen auf 1632 zurück. 1637 immatrikulierte er sich an der Universität Wien. In Wien studierte er und arbeitete an der Ordnung und Erschließung des Heiligenkreuzer Stiftsarchivs, das sich zu der Zeit im Wiener Hof befand. Er wurde 1640 im Stephansdom in Wien zum Priester geweiht und wirkte zunächst in den inkorporierten Pfarren des Stiftes Heiligenkreuz.

Rückkehr nach Langheim

Knauer kehrte nach Langheim zurück. Dort übernahm er zunächst das Amt des Subpriors, 1646 wurde er schließlich Prior und 1649 Abt. Als Abt tat sich Knauer als Verteidiger der Rechte seines Klosters gegen den Bamberger Bischof hervor, der ihn deshalb 1652 verhaften und zwei Monate gefangen halten ließ.

Knauer will Wirtschaft des Klosters in Schwung bringen

Nach dem Dreißigjährigen Krieg lag die Wirtschaft des Klosters Langheim am Boden. Hier lag für den Abt also dringender Handlungsbedarf vor. Diesem Zweck diente neben der Wiedereinführung von Frondiensten auch die Beteiligung an einem Eisenbergwerk, die Ansiedlung von Juden auf klösterlichen Anwesen und die Erarbeitung des Calendarium Oeconomicum Perpetuum Practicum (nachmals so genannter Hundertjähriger Kalender), mit dem seine Mönche in die Lage gesetzt werden sollten, das Wetter vorherzusagen.

Knauer belebte auch die Wallfahrt nach Vierzehnheiligen, indem er 1653 ein neues Gebet- und Mirakelbuch für die Wallfahrer drucken ließ. Die Basilika Vierzehnheiligen bei Bad Staffelstein im Landkreis Lichtenfels ist den heiligen Vierzehn Nothelfen geweiht. Heute hat die Basilika etwa eine halbe Million Besucher im Jahr.

Weitere Hinweise auf Mauritius Knauer

In den Annalen der Meteorologie Nr. 8 – die Entwicklung der meteorologischen Beobachtungen in franken und Bayern bis 1700 von Fritz klemm findet sich eine noch genauere Biographie von Mauritius (Moritz) Knauer. Demnach ist der spätre Abt am 14. März 1613 in dem kleinen oberfränkischen Städtchen Waismain geboren. Sein Vater war Bürgermeister und Landwirt. Moritz soll von hoher Intelligenz und Begabung gewesen sein, ein Onkel ermöglichte ihm das Studium und die Aufnahme in das Kloster Langheim. Später machte er ob seines Wissens aber auch wegen seiner untadeligen Charaktereigenschaften Karriere in der klösterlichen Hierarchie. Zum Abt wurde er im Alter von 36 Jahren mit allen Stimmen des Konvents gewählt, da er gleich tüchtig alt auf den Gebieten der Theologie, Philosophie, Astronomie und Astrologie und hervorragende Kenntnisse in Staats- und Kirchenrecht besaß. Im Frankenland wurde er als Orakel aller Heilkünstler seiner Zeit betrachtet.

Zu dieser Zeit litt auch Oberfranken unter den Auswirkungen und dem Elend des Dreißigjährigen Krieges.

Und Mauritius Knauer war wohl ein Mann der Tat. Ob des Elends um ihn herum ging es vor allem darum die Ernährungsbasis zu sichern und wegen der Abhängigkeit des Wachstums der Früchte und der Erträgnisse der Ernte von der Witterung, schien dem Abt die Wetterbeobachtung nur allzu wichtig. Da Knauer schon während seines Studiums in Wien fasziniert von der Astrologie gewesen war, lag es wohl nahe, an den Einfluss der Himmelskörper auf das Wetter zu glauben.

Mauritius Knauer Werke

Der Hundertjährige Kalender ist das bekannteste Werk des Abtes Mauritius Knauer. Heute sind im Besitz der Staatsbibliothek Bamberg 22 Handschriften, die mit dem Abt in Verbindung stehen. Bei den Handschriften handelt es sich um autographen Knauers von eigenen Werken und von Werken Dritter sowie um Handschriften, die zwar Texte Kanuers überliefern, aber nicht von ihm selbst geschrieben wurden.
Knauer veröffentlichte Handschriften aus dem Bereich Philosophie, Theologie, Geschichte, Recht, Medizin, Astronomie und Ökonomie, Seine Interessen scheinen weitläufig gewesen zu sein. Nur sein Calendarium oeconomicum practicum perpetuum erzeugte eine echte Breitenwirkung.
Hundertjähriger Kalender nach Mauritius Knauer in der Staatsbibliothek Bamberg

Knauersche Klosterkrieg

Bemerkenswert ist noch der Knauersche Klosterkrieg, eine Auseinandersetzung, die immerhin nach dem Abt benannt wurde. In dieser Auseinandersetzung zeigte sich der Abt von einer überraschend kämpferischen, ja kriegerischen Seite. Und zwar verfügte das Kloster Langheim über zahlreiche Rechte und Privilegien. In den Wirrnissen des Dreißigjährigen Krieges, in dem Gebiete auch ihre Besitzer wechselten, drohten diese Privilegien in Vergessenheit zu geraten bzw. von der weltlichen Obrigkeit nicht mehr beachtet zu werden. Mauritius Knauer wollte sich mit dem Verlust dieser Privilegien und Rechte nicht abfinden und mit Hilfe seiner juristischen und staatsrechtlichen Kenntnisse protestierte er dagegen. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Räten von Bamberg. In der Folge wurde Abt Knauer sogar überfallen und gefangen genommen. 1652 wurde der Knauersche Klosterkrieg dann beigelegt und der Abt konnte sich ungestört der Wohlfahrt seines Klosters widmen und seinen naturwissenschaftlichen Studien nachgehen.

Der Hundertjährige Kalender war nicht die einzige Schrift aus der Feder des Abts. 1653 publizierte er in Würzburg den Frankenthalischen Lustgarten und 1662 das Werk Tuba coelestis.
Deutscher Wetterdienst über den Hundertjährigen Kalender